Hickok Tube Tester FunktionsprinzipEinfache Prüfgeräte, die natürlich für viele Zwecke durchaus reichen, schalten jede Röhre als Diode und messen lediglich den Anodenenstrom, der ein Indiz für den Verbrauchszustand der Glühkathodenbeschichtung ist. Gitter-Defekte bleiben hier leider unentdeckt, weil die eigentliche Steuerwirkung der Röhre nicht überprüft wird. Hickok-Tester prüfen Gleichrichter-Röhren und Dioden natürlich auch auf diese Weise: Eine Wechselspannung (bei Dioden 35 V, ansonsten 150V) wird an die Röhre gelegt und der sich über einen Lastwiderstand ergebende Gleichstrom gemessen. Röhren mit Steuergitter werden dagegen in der unten vereinfacht dargestellten Meßschaltung betrieben. Die Funktion ist einfach beschrieben: Eine definierte Wechsel spannung von 0,5V, 2,5V oder 5V (je nach Gerät und Einstellung, im Bild gewonnen aus der Trafo-Wicklung Sec#3), der eine negative Vorspannung (Bias, aus der Wicklung Sec#5 gleichgerichtet mit der Röhre V102) überlagert ist, wird an das Steuergitter der zu prüfenden Röhre gelegt und der sich an der Anode ergebende Wechsel strom über eine patentierte Brückenschaltung gemessen. R135 ist der an allen Hickoks zu findende "SHUNT"-Regler, R139 ist die "BIAS"-Einstellung. Diese Schaltung findet sich in dieser oder ähnlicher Form in allen Hickok-"Mutual Conductance"-Testern. Die Steilheit S (Verstärkung) der Röhre ergibt sich aus der einfachen Formel S = dIa / dUg mit dIa=Andodenstromänderung (gemessen mit dem Anzeigeinstrument) und dUg=Gitterspannungsänderung (die vorgegebenen 0,5V, 2,5V oder 5V). Bringt eine zu testende Röhre vom Typ 6V6 bei einer Gitterwechselspannung von 2,5V eff. einen Anodenwechselstrom von 10 mA zustande, hat sie also eine Steilheit von 0,01/2,5 = 0,004 A/V oder 4 mA/V oder eben 4000 Micromhos (µA/V). Im Datenblatt ist diese Röhrentyp meist mit nominal 4,1 mA/V angegeben, diese Röhre ist also noch gut.
Die "kleinen" Hickoks (z.B. 600/800/6000) arbeiten durchweg mit einer festen Steuer-Wechselspannung von 2,5V effektiv . Dabei wird die Instrumenten-Skala durch Einstellung des Shunt-Reglers auf drei vorgegebene Stellungen (rote Markierungen 3000/6000/15000 Micromho) "umgeschaltet". Alternativ ist in den Tabellenwerken eine Shunt-Einstellung angegeben (oft als "English" bezeichnet), mit der eine neue Röhre den "Good"-Bereich der Skala erreicht, die Micromho-Skala ist dann ohne Belang. Die Labormodelle (etwa das 539, aber auch TV-3/U) arbeiten mit je nach Röhre umschaltbarer Ug-Einstellung (0,5V, 2,5V oder 5V eff.), hier ist ferner der SHUNT-Regler ersetzt durch Festwiderstände, die ebenfalls je nach Bereich (3000/6000/15000/30000 Micromho) umgeschaltet werden. Das Messprinzip ändert sich dadurch nicht, nur sind hochsteile Kleinsignalröhren (HF-Pentoden) hiermit unter besseren Bedingungen zu messen. Natürlich haben auch die Labormodelle einen SHUNT-Regler, dieser wird aber hier für die Last-Einstellung bei Gleichrichterröhren verwendet. Noch nicht erwähnt wurde die Schirmgitter-Spannung für Mehrgitter-Röhren, die über den Einstellwiderstand R145 abgegriffen wird. Sie beträgt 130V=, umschaltbar auf 56V= für Kleinsignalröhren. Der Umschalter ist bei manchen Geräten als zusätzlicher Drucktaster implementiert, bei anderen (6000) sorgt der "Function"-Schalter für die zur Röhre passende Einstellung. Da alle Meßspannungen aus dem Netztrafo entnommen werden, ist dem Trafo zur "Kalibrierung" je nach Höhe der Netzspannung ein Hochlast-Drehwiderstand (Rheostat) vorgeschaltet. Mit diesem bringt man den Zeiger des Meßinstruments auf Mittelstellung ("Line Test", "Line Adjust" oder "Line Set") bzw. bei Geräten mit getrenntem "Line"-Voltmeter auf die rote 100V-Markierung. Dann stimmen die Meßspannungen automatisch. Wer es ganz genau machen will, gleicht die Netzspannung bei eingesetzter und unter Test stehender Röhre nach; das hat aber nur bei Leistungsröhren Sinn. Zurück zur Übersicht |