Röhrenprüfgeräte für High-End-Audio und Instrumentalverstärker

Röhrenprüfgeräte – Beschreibungen und historisches Verkaufsarchiv

Wer alte Audiogeräte, Hammond-Orgeln, Gitarrenverstärker, Dampfradios und High-End-Hi-Fi repariert, konstruiert oder fertigt, benötigt auf kurz oder lang ein Röhrenprüfgerät. Dabei sind deutsche Geräte wie die verbreiteten Funke W18 und W19 aufgrund der im Audiobereich zumeist verwendeten englischen oder amerikanischen Röhren nicht die erste Wahl. Ich habe mich daher auf die Restauration von Röhrenprüfgeräten aus amerikanischer Produktion spezialisiert, die ich auch zum Verkauf angeboten habe. Das Bild führt zum historischen Gerätearchiv.

Warum ein amerikanisches Prüfgerät?

In neueren Gitarren- und Audioverstärker-Designs, in klassischen Hi-Fi-Röhrenverstärkern, etwa von Fisher, Eico, Dynaco, Western Electric, Heathkit oder den großen japanischen Marken, sowie natürlich in unzähligen Musikboxen finden sich fast ausschließlich amerikanische Röhren. Für diese gibt es oft kein europäisches Pendant und keine Einstelldaten für hiesige Röhrenprüfgeräte. Auch wenn Sie Röhren in den USA kaufen, sind diese meist mit den dort verfügbaren Röhrenprüfgeräten getestet und mit den Daten, die etwa ein Funke oder Neuberger RPG ermittelt, nicht direkt vergleichbar.

Auf den besseren, schon bei Erscheinen sehr teuren amerikanischen Prüfgeräten, etwa von Hickok oder Stark, kann man die für die Qualität einer Röhre entscheidende Steilheit (Gm oder S = d Ia / d Ug in mA/V, „Verstärkung“) direkt ablesen. In den USA wird die Steilheit gemeinhin in „Micromho“ (Micro-Ohm rückwärts gelesen) angegeben, wobei 1000 Micromho gleich 1 mA/V sind.

Hat man ein Datenblatt zur fraglichen Röhre, lassen sich auf diesen Prüfgeräten auch Röhren testen, die nicht in den mitgelieferten, meist recht umfangreichen Tabellen oder Vergleichslisten zum Gerät aufgeführt sind. Die Röhrenpins lassen sich über Stufen- oder Kippschalter frei den Test- und Heizspannungen zuweisen. Hochwertige Röhrenprüfgeräte erkennt man an Bezeichnungen wie Mutual Transconductance, Dynamic Mutual Conductance oder Dynamic Transconductance.

Das Prinzip ist recht einfach: An das Gitter wird eine Wechselspannung mit bekannter Höhe und einstellbarem Gleichspannungsanteil (Gittervorspannung, „BIAS“) gelegt. Das Messinstrument zeigt dann den sich ergebenden Anoden-Wechselstrom und damit die Verstärkung der Röhre an.

Preiswerte Geräte, die für viele Zwecke durchaus reichen, schalten jede Röhre als Diode und messen lediglich den Anodenstrom. Dieser ist ein Indiz für den Verbrauchszustand der Glühkathodenbeschichtung. Gitterdefekte bleiben dabei unentdeckt, weil die eigentliche Steuerwirkung der Röhre nicht überprüft wird. Solche Geräte werden deshalb oft nicht als „Tube Tester“, sondern treffender als Tube Checker bezeichnet.

Röhrenprüfgeräte wurden in den USA vornehmlich von Hickok (einstiger Marktführer), Eico, Stark (Hickok-Lizenznehmer), Heathkit, Western Electric (ebenfalls Hickok-Lizenznehmer), B&K Precision (ehemals Precision Instruments), Knight, Lafayette und anderen kleineren Herstellern gefertigt. Für letztere gibt es oft keine oder nur unzureichende Röhren-Einstelldaten. Die umfangreichsten Tabellen gibt es zweifelsfrei für Hickok-Geräte. Noch heute kann man für Hickoks in den USA Tabellenwerke nachbestellen.

Archivbereiche